Was mich der Malerweg übers Versagen gelehrt hat

In der Nähe der Sächsischen Schweiz zu wohnen, hat viele Vorteile. Man lebt in einer wunderschönen Landschaft, Klettern ist Volkssport, es gibt Millionen Wanderwege, die man begehen kann und einer der berühmten Wanderwege Deutschlands, befindet sich quasi direkt vor der Haustür. Der Malerweg.

Wer im Umkreis von 100 km um die Sächsische Schweiz lebt, hört jeden Sommer, Herbst, Winter und Frühling tausende Male – „Malerweg“. Wie schön er ist, dass man ihn unbedingt mal entlanggewandert sein muss, etc.

Gleich vornweg – Ja, er ist atemberaubend schön. Das kann ich nicht bestreiten.

Und deshalb haben auch wir uns aufgemacht, den Malerweg zu erlaufen. Dabei war von vornherein klar, dass ich nur 2 Etappen (4-5) überhaupt mitlaufen kann, weil ich am 1.10 bereits wieder auf Arbeit erscheinen musste. Meine Mitwanderer hatten da mehr Glück. Eine Woche Urlaub – also genügend Zeit, um sämtliche Etappen des Malerweges zu erlaufen.

Und so ging es also los. Aufgrund einer schmerzlichen Erfahrung (unser letztes Weekend-Adventure war eine Paddeltour mit Übernachtung in einer kleinen Holzhütte – was war uns kalt) ging es vor der geplanten Tour erst einmal Ausrüstung besorgen. Da ich nur 2 Tage mitlaufen wollte, sah ich es aber nicht ein, mehrere hundert Euro für einen neuen Schlafsack sowie Isomatte, Rucksack, Trinkflasche, Kissen und Wanderschuhe auszugeben. Ich begnügte mich daher mit der absoluten Minimalausstattung – einer neuen Isomatte und einem Kompressionsschlafsack, damit ich meine beiden alten Schlafsäcke (ineinander, damit es etwas wärmer wird) irgendwie unter bekomme. Im Nachhinein, war das bereits mein erster Fehler. Wenn man länger wandern will, mit Schlafsack, Isomatte, Klamotten und Verpflegung – auch wenn es nur für 2 Tage ist – der braucht einen ordentlichen Rucksack. Meine Schultern haben an diesen Abend geschrien vor Schmerz.

Am Samstag früh sollte es dann endlich losgehen – da meinen Mitwanderern eine entbehrungsreiche Woche bevorstand, wollten wir aber alle ausschlafen – Fehler Nummer 2. Denn bei Wanderungen fängt bekanntlich der frühe Vogel den Wurm. Statt gegen 11.30 waren wir dann erst 12.30 am Startpunkt und haben uns daher mit unserer Zeitplanung vollkommen verschätzt.

Der Malerweg ist kein Wanderweg, der schnurgerade geradeaus führt und absolut eben ist. Nein man muss Berge erklimmen, Stiegen erklettern, durch Felsen, über Felsen, hoch und runter, wie auf einer sehr langen Achterbahn. Man wird dabei mit faszinierenden Ausblicken und atemberaubend schöner Natur belohnt, aber 17 km sind dann eben nicht in 3h zu machen. Schon gar nicht, wenn man die Natur auch noch ein wenig genießen will. Fehler Nummer 3 – Selbstüberschätzung.

Das erst Mal klar, wurde uns das, als wir oben auf den Schrammsteinen waren, damit knapp die Hälfte des Weges hinter uns hatten (8 km) und bereits 3 ½ h unterwegs waren – ohne Pause. Hetzen wollten wir uns deshalb trotzdem nicht lassen und saugten alles in uns auf.

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Als kleine Anmerkung am Rande: Der Malerweg ist anspruchsvoll aber mit Turnschuhen kann man ganz wunderbar durch das Elbsandsteingebirge wandern. Ich hatte keine Probleme.

Unsere Tour durch die Malerlandschaft führte uns noch an so einigen schönen Orten vorbei, doch die Stunden vergingen. Auch wenn die steinige Waldlandschaft des Elbsandsteingebirges während des Sonnenunterganges geradezu magisch wird, möchte man im Dunkeln, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, nicht über Stock und Stein, an Klippen entlang und über dünne Stiegen wandern. Und mit dem Sonnenuntergang wurde es zudem kalt. Die Temperaturen sanken rasch von knapp 15 Grad auf 7 Grad (18.30) und ich begann zu frieren. Ja, ich bin eine Frostbeule, aber trotz Bewegung, 2 Jacken und einem Pullover, war mir einfach nur noch kalt und unsere geplante Übernachtungsstelle (eine Boofe am Lorenzstein) war noch knapp 3h entfernt. Das war auch der Punkt, wo meine Motivation mich verlassen hat. 3h durch Dunkelheit und Kälte laufen, nachts im Wald, dann im Freien, nur in einem Schlafsack schlafen. Nirgendwo etwas Warmes. In diesem Moment tat mir alles weh und ich wollte nicht mehr. Und dann kam der Beuthenfall. Und dort eine Bushaltestelle. Und in 10 Minuten der Bus.

Nun ja, was soll ich sagen – ich bin eingestiegen. – Fehler Nummer 4. Auch, wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Fehler gesehen habe. Stattdessen war ich froh über Wärme, die Aussicht auf ein gemütliches Bett, meine Badewanne und eine Toilette. Glaubt mir, ich habe innerlich jubiliert, während meine Mitwanderer um einiges tapferer waren und weitergelaufen sind.

Zu Hause habe ich dann erfahren, dass sie eine andere Boofe (am Kuhstall) gefunden hatten (keine halbe Stunde vom Beuthenfall weg) und es sich dort gemütlich gemacht hatten. Wenn ich also noch ein wenig durchgehalten hätte, dann würde ich jetzt zwar immer noch auf Etappe 4 des Malerweges sein und auch kalt wäre mir immer noch, aber ich würde bei strahlendem Sonnenschein und wunderschönem Wetter in der Sächsischen Schweiz unterwegs sein und nicht zu Hause und diesen Blogartikel verfassen, der – ja ich gebe es zu – auch ein wenig aus Frust heraus entstanden ist.

Denn als ich heute Morgen aufgewacht bin, da wäre ich am liebsten wieder dort gewesen – in der Natur und nicht in meiner Wohnung. Draußen statt drinnen, bei Freunden statt allein, Umgeben von Natur und Abenteuer, statt Tristesse. Und ich hätte nicht das Gefühl – versagt zu haben. Etwas nicht geschafft zu haben.

Heute früh, im Schein der Morgensonne auf meinem Balkon ist mir klar geworden, dass ich es oft so mache. Ich gehe den einfachen Weg, obwohl mein Herz sich Abenteuer wünscht. Ich suche nach dem Bequemen, Gemütlichen und bin traurig, dass ich dadurch etwas anderes verpasse. Und ich hab festgestellt, dass ich mehr an verpasste Chance als an tolle Erlebnisse denken. Denn der Tag gestern war schön. Traumhaft. Toll und hatte für mich den perfekten Ausklang, vor allem, wenn man am Montag wieder fit für die Arbeit sein muss. Ich gebe zu viel negativen Gedanken nach. Was ich nicht sollte – Fehler Nummer 5.

Ein Tag Malerweg, 16km Wegstrecke und ich habe ein paar Sachen über mich, über das Wandern und auch über das Versagen gelernt. Das hätte ich von einer einfachen Wandertour niemals erwartet.

Ich glaube ich möchte gar nicht wissen, was passieren würde, wenn ich mich irgendwann für eine Mehrtägige Wandertour entscheide. Wahrscheinlich käme ich als neuer Mensch zurück.

Aber so habe ich heute einen Tag Zeit, um die Erlebnisse, Gefühle und Eindrücke von gestern zu verdauen und aus meinen Fehlern zu lernen:

  1. Kaufe dir einen guten Wanderrucksack!
  2. Der frühe Vogel fängt den Wurm!
  3. Überschätze nicht dich selbst, aber glaub an dich!
  4. Halte durch, aber hör auf deinen Körper!
  5. Halte nicht an negativen Gedanken fest, sondern freue dich über positive Erlebnisse!
  6. Versagen ist eine Kopfsache. Du hast nicht versagt, wenn es sich für dich nicht so anfühlt. Du hast es versucht. Du kannst es weiter versuchen! Du hast nicht versagt, wenn du Erfahrungen gewonnen und schönen Erlebnisse gehabt hast. Du hast nicht versagt, wenn du das getan hast, was dir gut tut!

Aber trotzdem:

  1. Gehe neue Wege, gib deinem Wunsch nach Abenteuer nach, probiere dich aus und tritt ganz bewusst ab und zu aus deiner Komfortzone heraus. So weit du möchtest und vielleicht auch erst nach mehreren Versuchen. Aber hör nicht auf, es zu versuchen, bis du dein Abenteuer hast. Manchmal muss man etwas riskieren.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

Bis bald!

Euer

Blogunterschrift

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