Tagebauten und Biodiversität

Wie ich bereits hier erwähnt habe, sind Tagungen auch für Studenten durchaus empfehlenswert. Nicht nur, dass man sehr viele Gleichgesinnte und meist jahrelange Praktiker trifft, oftmals lernt man auf einer Tagung zu einem bestimmten Schwerpunkt auch mehr als im Studium.

Ich empfehle euch daher wirklich, sucht nach Tagungen, an denen ihr teilnehmen könnt!

Ich war letztens auf der Tagung: „Kies, Kohle, Konflikte? Tagebau und Biodiversität“ und fand diese aufgrund der guten Referenten auch sehr spannend. Gut fand ich dabei, dass Referenten aus dem Naturschutzbereich aber auch aus den Unternehmen an der Tagung teilgenommen haben und somit die Fragestellung von mehreren Seiten beleuchtet wurde.

Biodiversität ist in unserer Zeit zu einem Schlagwort geworden. Gemäß der CBD (Convetion on Biological Diversity) handelt es sich dabei um „die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören“. Damit umfasst die biologische Vielfalt ( oftmals als Synonym für Biodiversität verwendet) die Vielfalt innerhalb der Arten, die Vielfalt zwischen den Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme ebenso wie die genetische Vielfalt.

In einer Zeit, in der auf der Erde täglich mehrere hundert Arten verschwinden können, versucht der Mensch diese Biodiversität zu schützen und zu erhalten.

Doch wir wollen und müssen auch Leben. Und in unserer Welt bedeutet das, dass unsere Städte wachsen, das wir Nahrung und Rohstoffe benötigen. Und diese Rohstoffe finden sich zu großen Teilen im Erdreich.

Braunkohle, Kiese, Sande, Lehme, Erze und seltene Erden, ebenso wie Mineralien sind unverzichtbare Ressourcen, die wir schon vor vielen hundert Jahren gelernt haben abzubauen und zu nutzen.

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Doch mit jedem neuen Tagebau, mit jedem Abbau dieser Ressourcen verschwindet ein Stück Landoberfläche, die in dieser Form nicht mehr hergestellt werden kann. Sie ist unwiederbringlich verloren und ist zuvor vielleicht Jahrtausende gewachsen (Hochmoore zu Beispiel). Und mit dieser Landoberfläche verschwinden auch Lebensräume, verschwinden Arten und schwindet auch die Biodiversität.

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Dabei müssen die Betreiber zwar ein langwieriges Genehmigungsverfahren, dass nach den „neusten naturschutzfachlichen Erkenntnissen“ durchgeführt wird, durchlaufen, doch auch wenn sich in dem zu bearbeitenden Gebiet keine besonders oder streng geschützten Arten befinden, so verschwinden doch Boden, Pflanzen, Tiere, der Grundwasserspiegel wird abgesenkt und anstatt Wald oder Wiese klafft ein riesiges Loch.

Nicht zu vergessen ist dabei auch der Eingriff in das Landschaftsbild und in vorhandene Kulturgüter.

Doch, wie alles, hat auch dieser Eingriff eine Kehrseite, denn durch den Abbau entstehen sogenannte Sekundärbiotope, die es so in der Natur kaum noch gibt. Rohböden, kahle Felswände, Kleinstgewässer und Offenlandbereiche (um nur Einiges zu nennen) entstehen und werden von teilweise stark gefährdeten Arten gern angenommen.

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So hat sich der Bestand des Uhus in Sachsen auf 70 bis 100 Brutpaare erholt. Und diese Brutpaare findet man … vor allem in Tagebauten, die zum Teil auch noch aktiv sind.

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Auch nach dem Abbau, wenn die Renaturierung oder Rekultivierung beginnt, entstehen durch Flutung, etc. Sekundärlebensräume, deren Artenreichtum explosionsartig ansteigt.

Forschungen haben ergeben, dass man in aufgelassenen Tagebauten deutlich mehr Arten als im Umland findet. Zudem sind Tagebauten großflächige, unzerschnittene und nach dem Abbau auch ungestörte Landschaften mit einer hohen Anzahl verschiedener Lebensräume.

Würde man die natürliche Sukzession abwarten, so sind diese sekundären Lebensräume jedoch nur auf Zeit. Offenland verbuscht nach und nach und entwickelt sich zum Wald, Flachseen verlanden, Rohböden wachsen zu. Mit der veränderten Landschaft verändert sich auch die Artenzusammensetzung. Aber das ist dann oftmals nicht gewollt.

Goßwitz  (Unterwellenborn) Tagebau Sommerleite

Dann greift der Mensch ein, pflegt, entbuscht, beweidet und hält so offen, was Offenland sein soll. Um die Artenvielfalt zu erhalten, um die Biodiversität zu erhalten.

Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen, was diese Thematik angeht, fühle ich mich zerrissen. Zum einen, würde ich eher den natürlichen Lebensraum erhalten wollen, als eine „tiefe Wunde“ ins Erdreich zu schlagen. Zum anderen gäbe es aber die wertvollen Ersatzhabitate nicht, würde es nicht Tagebauten geben und manche Arten hätten keine Lebensräume. Und zu guter Letzte: Ist es besser mit aller Macht einen Lebensraum zu erhalten, der auf natürliche Weise verschwinden würde? Oder sollte man manche Gebiete einfach der Wildnis überlassen?

Was denkt ihr zu diesem Thema? Seit ihr damit schon einmal in Berührung gekommen?

Schreibt mir doch!

Bis dann!

Euer

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