Denkmalfähig? Denkmalwürdig? Bitte was?

Wenn man von einem Denkmal spricht, dann fällt dem Laien wahrscheinlich meistens eine alte Statue auf irgendeinem städtischen Platz ein. Was ja so weit auch richtig ist.

Aber das auch Gärten, Parks und Freiräume unter den Denkmalschutz fallen, ist nur wenigen wirklich klar. Und dass Landschaftsarchitekten maßgeblich an dem Prozess des „Unter-Schutz-Stellens“ beteiligt sind, erst recht nicht.

Wie ich es in einem früheren Artikel (hier) schon einmal erwähnt habe, gliedert sich die Landschaftsarchitektur in mehrere Teilbereiche auf. Die Gartendenkmalpflege ist einer dieser Bereiche. In der Gartendenkmalpflege geht es um den Schutz, den Erhalt und die Unterhaltung von (Kultur)denkmälern aus dem Bereich der Gartenkunst. Neben Ausarbeitungen verschiedener technischer, handwerklicher und künstlerischer Maßnahmen zum Erhalt des Denkmals, gehören auch die Beurteilung verschiedener möglicher Gartendenkmäler sowie die historische Einordnung und Erforschung des Gartendenkmals zu den Aufgaben des Gartendenkmalpflegers. Zudem ist er für den ständigen Unterhalt des Gartendenkmals zuständig. Eine beliebte Art um vor allem große, denkmalgeschützte Parkanlagen zu unterhalten, sind die sogenannten Parkseminare (dazu aber in einem anderen Artikel mehr).

Die Besonderheit der Gartendenkmalpflege sind die pflanzlichen und somit lebenden und sich verändernden Objekte. Während in der Baudenkmalpflege keine Veränderung am Denkmal auftreten (bzw. auftreten sollten) muss in der Gartendenkmalpflege dem Lebenszyklus der Pflanze stets Rechnung getragen werden.

Gartendenkmäler verändern sich ständig.

Und trotzdem muss man versuchen, den Charakter des Denkmals zu erhalten.

Dazu werden verschiedene Maßnahmen angewandt, wie zum Beispiel:

  • Steuerung der Nutzung (so kann z.B. eine zu starke Nutzung das Denkmal beschädigen)
  • Instandhaltung durch Pflegeschnitte, Rasenpflege, Gewässerpflege und Reinhaltung
  • Konservierung und Stoppung des Alterungsprozesses (dies ist selbstverständlich nur bei z. B. Kleinarchitektur nicht aber bei lebenden Pflanzen möglich)
  • Reparatur, Restauration, Rekonstruktion

Die Natur macht es einem oft schwierig das Denkmal in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. Ebenso macht es aber auch die Beurteilung möglicher Denkmäler kompliziert.

Eine Reihe von Richtlinien soll es dem Gutachter erleichtern ein Denkmal zu erkennen, einzuordnen und schließlich seine Denkmalfähigkeit bzw. Denkmalwürdigkeit zu begründen.

Dazu werden zunächst historische Quellen untersucht. Alte Karten, Pläne, Schriften, Fotos und Postkarten sind hierfür gute Quellen, die es erlauben den ehemaligen Zustand des Parks, Gartens oder Freiraumes, sowie seine Veränderung über die Jahrzehnte festzustellen. Ebenfalls wichtig ist die Bestimmung des momentanen Bestandes. Hier sind gute Pflanzenkenntnisse sehr wichtig und ermöglichen es zum Beispiel auch Veredlungen oder bestimmte Schnitte abzulesen.

Ebenfalls wichtig ist die Untersuchung der Ausstattung (Bänke, Materialien, Pflanzkübel, Treppen, etc). In einigen Fällen erfolgen zudem weitere naturwissenschaftliche (chemische, physikalische) Untersuchungen des Bodens sowie der vorhandenen Pflanzen.

Im Anschluss ist es möglich verschiedene Planwerke zu erstellen und die sogenannte Denkmalbegründung zu verfassen, in der man auf die Denkmalwürdigkeit und Denkmalfähigkeit des möglichen Denkmals eingeht.

Denkmalwürdig ist ein Objekt dann, wenn die Erhaltung des Objektes im Interesse der Öffentlichkeit liegt.

Denkmalfähig ist ein Objekt dann, wenn:

  • es von Menschenhand geschaffen wurde
  • es historisch ist (dabei ist die eigentliche Zeitspanne, ab wann etwas historisch ist, nicht unbedingt immer angegeben)
  • und es mindestens eins der folgenden Bedeutungsfelder aufweist:
            • Geschichtliche Bedeutung
            • Künstlerische Bedeutung
            • Städtebauliche Bedeutung
            • Wissenschaftliche Bedeutung
            • Volkskundliche Bedeutung

Ihr seht also, die Arbeit in der Gartendenkmalpflege ist ausgesprochen vielseitig. Während meines Studiums habe ich mich jedoch nur am Rande mit dieser Disziplin beschäftigt. Wenn ihr also Ergänzungen habt, würde ich mich freuen, von euch zu hören.

Ansonsten geht doch einfach mal in den nächsten Schlosspark (vielleicht aber erst im Frühling 😉 ) und schaut, ob ihr die Denkmalfähigkeit des Parks belegen könnt. Viel Spaß dabei und bis Bald!

Euer

Blogunterschrift

Advertisements

Ein Kommentar zu „Denkmalfähig? Denkmalwürdig? Bitte was?

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: